Vom europÀischen Verteidigungstrend profitieren
Welche Chancen Europas AufrĂŒstung bis 2035 bietet
Moin Aktienfreund đ,
Viele haben den europĂ€ischen Verteidigungstrend schon wieder vergessenâŠ
Dabei wird der tatsĂ€chliche RĂŒckenwind erst noch eintreffen. Gemeint sind jahrelang erhöhte Auftragslagen, langfristig höhere Budgets und Milliardenausgaben in europĂ€ische Forschung und Entwicklung.
An der Börse wird alle paar Monate ein neuer groĂer âTrendâ durch die Medien gejagt, gefolgt von einem schnellen Anstieg der offensichtlichsten Profiteure.
Egal ob bei Cloud-Unternehmen, KI-Profiteuren oder groĂen Verteidigungskonzernen: Es lohnt sich hĂ€ufig, in der Lieferkette tiefer einzusteigen. Die weniger offensichtlichen Profiteure steigen oft erst spĂ€ter, wenn Katalysatoren wie höhere Budgets und steigende Auftragszahlen tatsĂ€chlich eintreffen.
Vor ein paar Tagen habe ich mit Norbit ein Unternehmen vorgestellt, das bereits von erhöhten RĂŒstungsausgaben profitiert und es weiterhin tun wird. Es ist eines der spannendsten Unternehmen aus dem KeineAnlageberatungs-Depot. —ïž
Heute wollen wir genau das untersuchen: Bleibt der Trend bestehen, der Norbit aktuell beflĂŒgelt? Ist das der Fall, werden wir noch eine Menge SpaĂ mit dieser Investmentgelegenheit (und kommenden Analysen) haben und ganz nebenbei etwas ĂŒber die Zukunft Europas lernen.
Investitionen fĂŒr 2â3 Jahre oder langfristig höher?
Der Verteidigungstrend ist intakt. UnabhÀngig von aktuellen Konflikten werden Budgets nicht mehr auf die niedrigen Niveaus von 2015 fallen.
Europa ist aufgewacht.
Die Zahlen der europÀischen Verteidigungsagentur sind eindeutig. Jahrelang haben wir uns in falscher Sicherheit gewÀhnt und immer weniger investiert, bis die RealitÀt uns eingeholt hat. Konflikte in unmittelbarer NÀhe und schwindendes Vertrauen in die USA haben sogar Deutschland zum Handeln gebracht!
Innerhalb der EuropĂ€ischen Union haben sich die Verteidigungsausgaben seit 2015 mehr als verdoppelt. Entgegen der Erwartung, dass alle Mitglieder mehr investieren, steuert Deutschland mit ĂŒber 25% der gesamten Ausgaben den Löwenanteil bei. Nimmt man Frankreich hinzu, liegt man bereits bei der HĂ€lfte. Das klingt nach Kritik, ist aber unvermeidbar. Als drittgröĂte Wirtschaft der Welt mĂŒssen wir uns an anderen MaĂstĂ€ben messen lassen. Es zeigt jedoch, dass der Verteidigungstrend in Europa vornehmlich von einigen wenigen Akteuren gesteuert wird.
Noch eindrucksvoller zeigt sich der aktuelle Trend in den Ausgaben fĂŒr Forschung und Entwicklung in Europa. Diese belegen, dass es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um eine lĂ€nger anhaltende Investmentperiode handelt. Wir kaufen nicht nur bestehende Produkte aus dem Ausland, sondern entwickeln wieder in Europa. Moderne Lösungen sind dringend notwendig, damit die möglicherweise gut bestĂŒckte AusrĂŒstung nicht irgendwann technisch obsolet ist.
Genau diesen Anstieg spĂŒrt auch Norbit bereits durch neue AuftrĂ€ge in ihrem PIR-Segment, das sich eben mal verdoppelt hat. Hier entwickeln sie fĂŒr den Auftraggeber technische Lösungen und produzieren die Produkte im Anschluss.
Diese Informationen zeigen zwar, dass wir eine Wiederbelebung der europĂ€ischen Verteidigungsindustrie erleben, sie belegen jedoch noch nicht, dass es sich um einen strukturellen, nachhaltigen Trend handelt. DafĂŒr lohnt sich ein Blick auf Europa als Ganzes.
Die Rolle von Europa & der NATO
Auch wenn die Mitgliedsstaaten bei der AufrĂŒstung ihrer eigenen KapazitĂ€ten lange auf sich alleine gestellt waren und viele gemeinschaftliche Initiativen eher schlecht funktioniert haben, versucht man es jetzt mit einem neuen Ansatz.
Am 27. Mai wurde SAFE (Security Action for Europe) beschlossen, eine Initiative, die 150 Mrd. Euro an Niedrig-Zins-Krediten fĂŒr die AufrĂŒstung zur VerfĂŒgung stellt (100% ausgenutzt). Investitionen mĂŒssen innerhalb Europas getĂ€tigt werden, sodass mindestens ein anderer Mitgliedsstaat von den Ausgaben profitiert, anstatt dass alles im Ausland ausgegeben wird. Es ist der erste Schritt im europĂ€ischen ReArm Europe Plan fĂŒr 2030. Insgesamt sollen ĂŒber 800 Mrd. Euro fĂŒr neue Investitionen in der EuropĂ€ischen Union freigemacht werden. Das ist zwar immer noch weniger als die USA in einem Jahr ausgeben, aber ein Schritt in die richtige Richtung.
Damit befinden wir uns in einem Vorhaben, das mindestens bis 2030 geplant ist. Zudem gibt es guten Grund zur Annahme, dass es danach weitergeht.
Bereits 2014 vereinbarten die NATO-Mitglieder, ihre Verteidigungsausgaben auf 2% des BIP zu steigern. Eine damalige Reaktion auf die Annexion der Krim und Unsicherheit im Nahen Osten. Dieses Ziel wird 2025 erstmals erreicht.
đ Das neue Ziel fĂŒr 2035: 5% des BIP
3,5% des BIP fĂŒr Verteidigung
1,5% des BIP fĂŒr allgemeine Sicherheitsausgaben
Um von den heutigen 2% auf 5% zu kommen, sind laut der Verteidigungsagentur mehr als 300 Mrd. Euro jĂ€hrlich notwendig. Dieses ambitionierte Ziel stellt schwĂ€chere Wirtschaften vor eine Herausforderung und hĂ€ngt stark von den gröĂten Investoren ab. Deutschland liegt momentan bei 2,4% und plant, diese Quote schrittweise auf 3,5% bis 2029 zu steigern.
Was zunĂ€chst nach einem kleinen Prozentanstieg aussieht, setzt in Wirklichkeit Hunderte Milliarden an frischem Kapital fĂŒr eine relativ konzentrierte Branche frei. Das AusmaĂ der Investitionen mag nach jahrelanger Unterinvestition schwer zu begreifen sein, wird jedoch eine Kette an Profiteuren nach sich ziehen.
Wer profitiert von den Investitionen?
Die erhöhten Verteidigungsbudgets sind real und werden bis 2035 konstant ansteigen, das steht fĂŒr mich auĂer Frage. Es handelt sich nicht um einen einmaligen Schub, sondern um eine schrittweise, jĂ€hrliche Erhöhung, die fortlaufend einen groĂen RĂŒckenwind fĂŒr viele Unternehmen darstellen wird.
Doch haben wir ĂŒberhaupt die Unternehmen, um die gestiegenen Investitionen auszufĂŒhren?
GrundsĂ€tzlich gehen die groĂen staatlichen Investitionen immer erstmal an die groĂen Verteidigungskonzerne im eigenen Land. Damit macht man ânichts falschâ. Zurecht haben diese Unternehmen deshalb schnell profitiert.
Das sind beispielsweise Rheinmetall in Deutschland, BAE in der UK, Leonardo in Italien, Kongsberg Gruppen in Norwegen oder SAAB AB aus Schweden. Diese Unternehmen bĂŒndeln viele groĂe VertrĂ€ge. Das zeigt sich dann auch in den Aktienkursen dieser Unternehmen ĂŒber die letzten drei Jahre.
Unternehmen in der zweiten Reihe sind hĂ€ufig kleiner und fungieren als reine Zulieferer, profitieren aber genauso von diesem Anstieg. Bei ihnen besteht jedoch gröĂere Unsicherheit, ob sie auch langfristig davon profitieren können. Anleger greifen deshalb hĂ€ufig lieber zu den âMarkennamenâ. Aus meiner Sicht ein Fehler.
Die Sorge, dass Umsatzanstiege in einigen Unternehmen nur vorĂŒbergehend sind, ist basierend auf der heutigen Informationslage unbegrĂŒndet.
Die groĂen Unternehmen arbeiten mit einer Vielzahl an kleineren Unternehmen zusammen, die sich ĂŒber die Zeit in vielen Prozessen unersetzlich gemacht haben. Norbit habe ich letzten Freitag ein zweites Mal beleuchtet, aber in den nĂ€chsten Wochen wird hier der ein oder andere weitere Kandidat vorgestellt.
ZusĂ€tzlich erleben wir gerade eine der gröĂten Wellen an innereuropĂ€ischer Verteidigungsinnovation in den privaten MĂ€rkten. Egal ob Helsing aus MĂŒnchen, Stark Defense aus Berlin oder Dedrone aus Kassel. ZukĂŒnftige Konflikte werden mit neuen Technologien bestritten, was zur Rettung jahrelanger Unterinvestments werden könnte.
Europa hat Jahrzehnte gebraucht, um zu verstehen, dass Frieden nicht selbstverstĂ€ndlich ist. Jetzt brauchen wir mindestens ein Jahrzehnt, um die Konsequenzen daraus zu ziehen. FĂŒr langfristige Investoren, die bereit sind, auf Nebenwerte zu schauen, ist das ein fruchtbarer Boden fĂŒr langfristige Renditen.
Bis bald,
Bruno đŽââ ïž











